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Warum tue ich mir das eigentlich noch an?

10. Aug.
14 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Aug.

Gabriele Cinibulk im Garten – Porträt zum Blogartikel über mehr als 45 Jahre Unternehmertum
Gabriele Cinibulk im Garten – Porträt zum Blogartikel über mehr als 45 Jahre Unternehmertum

Diese Frage habe ich mir in den letzten drei Jahren öfter gestellt.

Manchmal in Situationen, in denen sie durchaus ihre Berechtigung hatte. Und manchmal wegen irgendeines technischen Pipifax, der mich gerade zur Weißglut gebracht hat.


Ich bin über 70. Ich habe mehr als 45 Jahre Unternehmertum hinter mir. Ich habe Unternehmen aufgebaut, Mitarbeiter beschäftigt, für internationale Konzerne gearbeitet, gute Zeiten erlebt und Zeiten, die ich wirklich niemandem wünsche. Ich habe mein Geld verdient und mir mein Leben so eingerichtet, dass ich heute nicht mehr arbeiten müsste.


Und trotzdem sitze ich da und baue noch einmal ein Business auf. Ein Online-Business auch noch, damit es ja nicht zu einfach wird.


Wenn dann irgendein System partout nicht das tut, was es soll, frage ich mich schon manchmal: Warum mache ich das eigentlich? Ich könnte jetzt auch in meinem Garten sitzen. Ich könnte in den Wald gehen, eine Freundin anrufen und mich mit ihr auf einen Kaffee treffen. Andere in meinem Alter gehen Golf spielen.


Warum tue ich mir das also noch an?


Genau diese Frage stellt meine Copywriting-Mentorin Céline Tüyeni in ihrer Blogparade „Warum tu ich mir das an?“, und sie hat mich damit ziemlich erwischt.


Denn wenn ich ehrlich bin, lässt sich die Antwort gar nicht mit einem Satz geben.

Mein Warum hat sich im Laufe meines Lebens mehrmals verändert.


Unternehmerin? Das war überhaupt nicht mein Plan


Ich hatte als junge Frau eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie mein Leben einmal aussehen sollte. Ich wollte Kinder haben und selbstverständlich auch berufstätig sein. Vielleicht 20 oder 30 Stunden in einem interessanten Angestelltenjob, damit daneben noch genügend Zeit für meine Kinder blieb.

Unternehmertum kam in diesem Plan nicht vor.


Aber life happens.


Gabriele Cinibulk mit ihren beiden Kindern in ihrer frühen Zeit als Unternehmerin
Gabriele Cinibulk mit ihren beiden Kindern in ihrer frühen Zeit als Unternehmerin

Ich war sehr jung, hatte zwei kleine Kinder und kam in einer Situation zu einem Unternehmen, in der es nicht mehr darum ging, ob ich das irgendwann einmal auf mein Visionboard geschrieben hatte. Das Unternehmen war finanziell alles andere als gesund, meine private Situation war schwierig und ich musste für meine Kinder sorgen.


Mein Warum war damals sehr einfach: Ich wollte für meine Kinder eine stabile finanzielle Basis schaffen.

Das war's.



Ich erlebe heute immer wieder Frauen in Coachings, die ihr WARUM suchen und dabei das Gefühl bekommen, es müsste etwas unglaublich Großes sein. Sie müssten die Welt verändern, eine Hilfsorganisation gründen oder zumindest ein Retreatzentrum auf einem halben Hügel errichten, damit das Warum groß genug ist.


Das sehe ich inzwischen anders.


Dein Warum muss nicht großartig klingen. Es muss stark genug sein, dich zu tragen.

Und zwei kleine Kinder, für die du sorgen willst, sind ein verdammt starkes Warum.


Also machte ich weiter. Und weiter.


Und irgendwann war aus dem Unternehmen, zu dem ich mehr oder weniger gekommen war wie die Jungfrau zum Kind, ein ziemlich großes Unternehmen geworden.


Irgendwann war ich eine Getriebene

Wenn ich heute auf die Unternehmerin zurückblicke, die ich mit Mitte 30 oder Mitte 40 war, dann sehe ich natürlich vieles, auf das ich stolz bin.


Ich sehe aber auch eine Frau, die rund um die Uhr gearbeitet hat.


Das waren die großen Expansionsjahre. Wir arbeiteten für große internationale Kunden, hatten viele Mitarbeiter, große Betriebsflächen und einen umfangreichen Maschinenpark. Ich baute aus, investierte, stellte neue und teure Mitarbeiter ein und übernahm immer mehr Verantwortung.


Und diese Verantwortung verschwindet nicht am Freitag um 17 Uhr.

Wenn du Mitarbeiter hast, musst du am Monatsende die Gehälter bezahlen. Wenn du hunderte Quadratmeter Betriebsfläche hast, laufen die Kosten weiter. Wenn internationale Kunden ihre Aufträge bei dir platzieren, kannst du nicht sagen: Diese Woche passt es mir leider nicht so gut.


Ich war damals eine Getriebene.

Das sage ich heute so deutlich, weil ich keinen Grund mehr habe, mir mein früheres Unternehmerinnenleben im Nachhinein schönzureden. Es war eine unglaublich spannende Zeit. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, aufgebaut und erlebt. Und ich habe dafür auch einen Preis bezahlt.


Wie hoch dieser Preis manchmal werden kann, habe ich besonders deutlich nach 9/11 erlebt.


Ich hatte gerade noch einmal massiv expandiert. Wir hatten die Räume sehr erweitert, einen neuen Maschinenpark angeschafft und neue Mitarbeiter eingestellt. Dann kam 9/11 und bei mehreren unserer Großkunden brach gleichzeitig das Geschäft ein.

Das konnte ich fast nicht auffangen.


Ich weiß heute noch, wie sich diese Zeit angefühlt hat. Ich hatte das Gefühl, ich bin im freien Fall.

Und wenn du im freien Fall bist, hilft es dir wenig, dir auszumalen, was in sechs Monaten alles passieren könnte.

Ich hatte irgendwann in einer anderen schwierigen Phase etwas gelernt, das mir damals wieder eingefallen ist: Denk nicht so weit.


Ich schaffe diese Stunde.


Ich schaffe es bis Mittag.


Ich schaffe es bis Abend.


Ich schaffe es durch diese Nacht bis morgen früh.


Mehr musste in diesem Moment nicht gehen.


Natürlich ist mir das nicht immer gelungen. Es gab genügend Stunden, in denen mein Kopf sämtliche Katastrophenszenarien durchgespielt hat. Aber ganz oft konnte ich mich auf dieses kleine Stück Weg zurückholen, das ich gerade noch sehen konnte.

Und darunter war etwas, von dem ich damals wahrscheinlich noch gar nicht verstanden habe, wie wichtig es einmal für meine heutige Arbeit werden würde: eine ziemlich tiefe innere Stabilität.


Die war mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich hatte sie mir über viele Jahre erarbeitet. Durch Ausbildungen, Seminare, Therapie, persönliche Entwicklung und tägliche Praxis.


Und natürlich war da noch etwas anderes:

Verantwortung.

Für meine Familie. Für meine Mitarbeiter. Für meine Kunden.

Ich musste da einfach durch, krumm oder grad.


Heute kann mich immer noch irgendein technisches Problem so ärgern, dass ich meinen Lappy am liebsten aus dem Fenster schmeißen würde. Ich tue es dann eh nicht. Meistens klappe ich ihn einfach zu und lasse ihn ein oder zwei Tage stehen.

Denn heute weiß ich auch: Ich habe in meinem Leben schon so viel überstanden und überlebt, dass vieles von dem, was gerade riesig aussieht, in Wahrheit nur mehr Pipifax ist.


Diese Gelassenheit hatte ich mit 40 noch nicht.

Die musste ich mir erst erarbeiten.


Wann wurde aus dem Müssen eigentlich ein Wollen?


Darüber habe ich lange gar nicht nachgedacht.

Ich war eben Unternehmerin. Das war mein Beruf, mein Alltag, mein Leben.


Und irgendwann gegen Ende der Nullerjahre passierte etwas, an dem ich heute ziemlich genau erkennen kann, dass sich etwas verändert hatte.

Ich hatte damals bereits zwei Unternehmen.

Man könnte meinen, das reicht.

Offenbar nicht für mich.


Ich begann noch etwas Neues: „inspirations – leben bewusst gestalten“.

Ein Versandhandel für Dinge, die uns guttun und mit denen wir unser Umfeld bewusst gestalten können. Mich hat damals sehr beschäftigt, welchen Einfluss Räume und die Dinge, mit denen wir uns umgeben, auf uns haben. Dazu gehörten zum Beispiel Energiebilder und vieles andere.


Das Interessante daran war: Ich musste dieses Unternehmen nicht gründen.

Ich war in der glücklichen Situation, dass meine anderen Unternehmen liefen und ich mir auch Unterstützung leisten konnte. Ob inspirations ein großer wirtschaftlicher Erfolg werden würde, war mir zunächst ziemlich egal.


Ich hatte einfach Lust darauf.

Und es machte mir unglaublich viel Spaß.


Innerhalb kurzer Zeit entstand ein großer Kundenstamm. Später kam wieder etwas Neues in mein Leben, der Zeitgeist veränderte sich ebenfalls, und irgendwann ließ ich dieses Unternehmen wieder los.


Aber heute sehe ich: Damals war ich längst nicht mehr Unternehmerin, weil ich musste.

Ich war einfach Unternehmerin geworden.


Ich mag es, etwas zu entwickeln. Ich mag es, wenn aus einer Idee langsam etwas entsteht. Ich mag Herausforderungen offensichtlich mehr, als ich manchmal selbst wahrhaben möchte.

Und ich mag diese Freiheit, etwas gestalten zu können.


Fremdbestimmt sein war mir schon als junge Frau zuwider. Heute wäre die Vorstellung, mich in die Rules und Regulations irgendeines Unternehmens oder gar eines Verwaltungsapparates einzufügen, für mich ziemlich unerträglich.


Meine Mutter wollte übrigens immer, dass ich Lehrerin werde oder in eine Bank gehe.

Allein die Vorstellung fixer Arbeitszeiten und vorgegebener Handlungsroutinen hätte mich wahrscheinlich wahnsinnig gemacht.


Das mit der Lehrerin finde ich heute allerdings ziemlich lustig.

Denn wenn ich es genau nehme, bin ich nach all diesen Jahrzehnten tatsächlich eine geworden.

Nur eben auf meine Art.


Was kostet dein Traum eigentlich?


In den vergangenen Jahren war ich in einigen Business-Coachings und Gruppenprogrammen. Ganz oft kommt ziemlich am Anfang die Frage: Was willst du wirklich?


Dann höre ich Frauen zu, häufig sind sie Mitte 40, und es entstehen die großen Bilder:

Das Riesenhaus am Meer mit Infinitypool. Ein halber Hügel, auf dem ein Retreat- und Seminarzentrum entstehen soll. Große Autos. Reisen um die Welt. Ein riesiges Business mit einem großen Team.


Und ich sitze manchmal da und denke mir: Ja. Kann man alles haben.

Ich hatte nicht alles davon, aber einiges.

Ich hatte ein großes Haus im Wienerwald mit ungefähr 20 Kilometern Fernsicht, direkt am Waldrand. . Wenn Menschen zum ersten Mal zu uns kamen, war die Reaktion meistens: Wow.


Ich hatte einen superschnellen BMW. Als ich den bei BMW Wien abgeholt habe sah mich der Verkäufer an und sagte: „Gnädige Frau, bitte seien Sie vorsichtig. Dieses Auto hat viele PS.“

Ich hatte viele Mitarbeiter. Ich hatte hunderte Quadratmeter Betriebsfläche. Maschinen, Infrastruktur, große internationale Kunden und Umsätze, die entsprechend aussahen.

Ich weiß also auch, was auf der Rückseite dieser Bilder steht.


Wenn du ein großes Haus hast, musst du dich um ein großes Haus kümmern. Wenn du echt viele Quadratmeter Firmenfläche hast, müssen diese Flächen finanziert, erhalten und ausgelastet werden.

Und dann sagen die Leute gerne: Na, du hast ja Leute dafür.

Ja eh.

Aber um die Leute muss ich mich ja auch wieder kümmern. Und ich muss die Brötchen für die Leute herholen.


Das wird in den großen Business-Visionen gerne vergessen.

Ich sage überhaupt nicht, dass eine Frau nicht von einem großen Haus am Meer oder einem Retreatzentrum träumen soll. Wenn das wirklich ihr Traum ist, soll sie losgehen und ihn verwirklichen.

Ich würde heute nur eine Frage hinzufügen: Welchen Preis zahlst du dafür? Ist dir der Preis auch wirklich bewusst?

Und ist es dir diesen Preis wert?


Denn Erfolg kostet nicht nur Geld. Erfolg kostet Zeit, Aufmerksamkeit und Verantwortung. Besitz braucht Pflege. Ein großes Team braucht Führung. Ein großer Betrieb braucht Aufträge. Und hoher Umsatz ist noch lange nicht das Geld, das dir am Ende privat zur Verfügung steht.


Vor einiger Zeit ging ich über den Parkplatz zu meinem heutigen Auto. Ich fahre einen Hyundai. Der sieht von außen nicht wahnsinnig spektakulär aus, hat aber innerlich mehr drauf, als man ihm ansieht. Er ist gut motorisiert, toll ausgestattet, hat ein Glasschiebedach und alles Mögliche, was mir Freude macht.

Und während ich auf dieses Auto zuging, dachte ich plötzlich: Genau das gefällt mir heute.

Es läuft einfach mit.

Ich muss mir nicht überlegen, wie ich es bezahle. Ich muss nicht überlegen, was ich dafür tun muss. Ich muss mein Leben nicht danach ausrichten.


Ich brauche heute nichts mehr, was mich in irgendeiner Form belasten könnte.

Kein Riesenteam. Keine Riesenlatifundien. Kein Statussymbol, für dessen Erhaltung ich anschließend wieder arbeiten muss.


Ich will Freiheit.


Und was viele nicht bedenken: Manche Dinge, die nach außen nach großer Freiheit aussehen, beschränken sie in Wahrheit ganz erheblich.


Und dann beginne ich mit über 70 noch einmal mit einem Online-Business


Eigentlich könnte die Geschichte hier enden.

Ich habe mein Unternehmerinnenleben gelebt. Ich habe mir meins erarbeitet, wie man so schön sagt. Ich bin in einer Situation, die ich durchaus als privilegiert empfinde. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen und ich muss auch kein neues Unternehmen aufbauen, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.


Und ausgerechnet in den letzten drei Jahren habe ich meine Aroma~Flow Programme entwickelt.


Das waren gleichzeitig drei Jahre, in denen mein Mann immer mehr Pflege brauchte. Intensive Pflege. Eine Zeit, in der ich oft zwischen Erschöpfung, Verantwortung und meinem Wunsch gependelt bin, mit meinem eigenen Business weiterzukommen.


Da habe ich mich wirklich oft gefragt: Warum mache ich das?

Ich bin über 70. Warum tue ich mir das an?


Und wenn ich ganz ehrlich bin, gehört zu meiner Antwort auch: Ich will Geld damit verdienen.


Ich bin das, was man in Amerika „well-off“ nennt. Ich habe mir meins schon erarbeitet. Trotzdem finde ich es angenehm, bei der einen oder anderen Ausgabe nicht über Geld nachdenken zu müssen. Ich möchte meine Familie unterstützen können. Ich mag finanziellen Spielraum.

Warum sollte ich so tun, als wäre Geld in meinem heutigen Warum nicht enthalten?


Es ist nur nicht mehr das ganze Warum.


Da ist auch diese neue Herausforderung.


Business kenne ich. Online-Business ist trotzdem wieder eine andere Welt. Manchmal eine, die mich technisch zur Weißglut bringt.

Und irgendwo steckt in mir ganz offensichtlich die Frage: Kriege ich das auch noch einmal hin?


Das reizt mich.


Ich komme außerdem wirklich in einen Flow, wenn ich etwas kreiere. Wenn eine Idee langsam Form annimmt. Wenn ich überlege, wie ich etwas, das ich selbst gelernt und erfahren habe, so weitergeben kann, dass eine andere Frau etwas damit anfangen kann.


Und ich mag Menschen.

Ich würde den Kontakt zu meinen Mentees und Kundinnen vermissen. Genauso den Austausch mit Kolleginnen. Verbindung zu Menschen war mir mein ganzes Leben lang wichtig.


Aber da ist noch etwas.

Und vielleicht ist das heute der wichtigste Teil meines Warums:


Ich möchte etwas weitergeben


Wenn ich auf meine mehr als 45 Jahre als Unternehmerin zurückblicke, dann habe ich viel über Business gelernt.


Aber das ist gar nicht das Wissen, das ich heute hauptsächlich weitergeben möchte.

Ich habe über Jahrzehnte versucht zu verstehen, was uns Menschen eigentlich trägt.

Ich habe unzählige Ausbildungen gemacht, Seminare und Workshops besucht, Therapie gemacht, mich intensiv mit Mindset beschäftigt, mit unseren Emotionen, mit unserem Körper, mit Energie und mit der seelischen Ebene unseres Lebens.


Das habe ich nicht gelernt, weil ich irgendwann Mentorin werden wollte.

Ich habe es gelernt, weil ich es selbst gebraucht habe.


Das tiefe Selbstwertgefühl, über das heute so selbstverständlich gesprochen wird, ist mir zum Beispiel wahrlich nicht in die Wiege gelegt worden. Ich erinnere mich sehr gut an meine eigenen Selbstzweifel über all diese Jahre und Jahrzehnte.

Heute erlebe ich Ähnliches bei meinen Mentees.

Da sitzen Frauen vor mir, die sind super cool. Erfolgreich. Fachlich hervorragend. Sie tragen Verantwortung und haben von außen betrachtet längst bewiesen, dass sie etwas können.


Und wenn du dann wirklich in die Tiefe mit ihnen redest, liegt darunter manchmal immer noch dieser Selbstzweifel.

Bin ich wirklich gut genug?

Kann ich das?

Bin ich das wert?


Deshalb beginne ich meine großen Mentoring-Programme immer mit dem Thema Selbstwert.


Heute muss ich selbst niemandem mehr beweisen, dass ich gut bin, dass ich etwas kann, dass ich wertvoll bin oder dass das, was ich weiterzugeben habe, wertvoll ist.

Das klingt vielleicht ein bisschen überheblich.

Aber irgendwann darf man auch aufhören, sich kleiner zu machen, als man ist.

Bei mir hat es lange genug gedauert.

Und vielleicht ist genau dieses tiefe Spüren etwas ganz anderes als das ständige Beweisenmüssen, das ich aus früheren Jahren sehr gut kenne.


Ein starkes Leben braucht ein stabiles Fundament


Was ich in all diesen Jahren aber auch gelernt habe: Selbstwert und Mindset allein reichen nicht. Du kannst noch so viel wissen, reflektieren und an dir gearbeitet haben – wenn du als Unternehmerin Verantwortung trägst, vielleicht ein Team führst und gleichzeitig für deine Familie da bist, muss dein ganzes System dieses Leben auch langfristig tragen können.


Ich habe selbst erlebt, was es bedeutet, über Jahre sehr viel zu leisten und Verantwortung auf vielen Ebenen gleichzeitig zu tragen.

Unser Körper macht dabei nicht einfach endlos mit, nur weil unser Kopf noch tausend Ideen hat.


Wir brauchen Energie und Regeneration. Wir müssen mit unseren Emotionen umgehen können, gerade dann, wenn es schwierig wird.

Wir brauchen eine innere Haltung, die uns trägt, wenn im Außen gerade nichts nach Plan läuft.

Und für mich gehört auch die Verbindung zu etwas dazu, das über das reine Funktionieren und Abarbeiten hinausgeht.


Heute sehe ich dieses Fundament noch viel deutlicher als früher. Vielleicht auch deshalb, weil ich inzwischen weiß, wie lang ein Unternehmerinnenleben sein kann.


Wenn du mit 40 ein Unternehmen aufbaust, willst du ja wahrscheinlich nicht nur die nächsten drei Jahre irgendwie durchhalten. Du möchtest auch mit 50, 60 oder 80 noch die Energie haben, deine Ideen umzusetzen, gute Entscheidungen zu treffen, für die Menschen da zu sein, die dir wichtig sind, und dabei selbst noch etwas von deinem Leben zu haben.


Genau dieses Fundament ist für mich über die Jahre immer wichtiger geworden. Und als ich in den vergangenen Jahren mit Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen gearbeitet und ihnen zugehört habe, habe ich immer wieder gesehen: Am Wissen fehlt es diesen Frauen meistens nicht. Sie wissen unglaublich viel. Aber Wissen allein trägt nicht, wenn darunter die Basis nicht stabil genug ist.


Aroma~Flow habe ich nicht erfunden

Das sage ich ganz bewusst so.

Die einzelnen Dinge, die heute in Aroma~Flow zusammenkommen, sind keine neuen Erfindungen von mir. Ich habe sie irgendwann selbst gelernt.

Was über die Jahrzehnte entstanden ist, ist die Verbindung.


Ich habe gelernt, wie wichtig unser körperliches Fundament ist. Gerade erfolgreiche Frauen denken wenig daran, dass sie all das langfristig aushalten müssen und auch gesund altern wollen.

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Emotionen regulieren zu können. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass das möglich ist oder wie sehr ihre emotionale Verfassung beeinflusst, was sie wahrnehmen, entscheiden und tun.

Ich habe sehr viel Mindset-Arbeit kennengelernt und für mich verstanden, dass Mindset wesentlich tiefer gehen muss, wenn es wirklich tragen soll.


Und für mich gehört auch die energetische und seelische Ebene dazu.


In den Gruppencoachings der letzten Jahre saß ich dann mit all diesen Frauen und hörte ihre Herausforderungen. Frauen, die viel wissen, viel gelernt haben und oft schon eine ganze Reihe von Programmen absolviert haben.

Und immer wieder dachte ich: Es fehlt doch nicht am Wissen.

Da fehlt etwas darunter.

Das Fundament muss tragen können, was diese Frau in ihrem Leben und in ihrem Beruf auf die Straße bringen will.

Aus diesen Beobachtungen und aus allem, was ich selbst über Jahrzehnte gelernt und gelebt habe, ist Aroma~Flow entstanden.


Ich habe dieses Wissen strukturiert, miteinander verbunden und so aufbereitet, dass eine Frau es in ihrem Alltag anwenden kann.

Was sie daraus macht, liegt bei ihr.

Das ist mir sehr wichtig.

Ich zeige einen Weg. Gehen muss ihn jede selbst.

Ich begleite. Ich schiebe nicht und ich trage niemanden.

Vielleicht kann ich das heute auch deshalb so klar sagen, weil ich in meinem Leben lange genug Verantwortung für andere Menschen getragen habe.


Mit 80 möchte ich keine siebenstellige Zahl feiern


Wenn ich darüber nachdenke, wo ich mit Aroma~Flow hinwill, muss ich manchmal über die üblichen Fragen in der Online-Business-Welt lachen.


Willst du sechsstellig werden? Siebenstellig?


Ehrlich?


Es ist mir egal.


Das heißt nicht, dass mir wirtschaftlicher Erfolg egal wäre. Natürlich möchte ich sehen, dass das, was ich aufbaue, auch finanziell erfolgreich ist.

Aber ich möchte kein Business mehr, dessen Größe anschließend wieder mein Leben bestimmt.


Wenn ich mit 80 zurückblicke – und das ist aber bitte in achteinhalb Jahren, ich fasse es ja nicht –, dann möchte ich etwas anderes sehen.

Ich möchte Frauen begegnen, die sagen: Du hast mir damals etwas mitgegeben, das hat mir weitergeholfen.

Oder: Durch dich habe ich etwas plötzlich anders gesehen.

Oder: Diesen einen Gedanken habe ich damals von dir mitgenommen und der hat etwas in meinem Leben verändert.


Das kenne ich nämlich schon.

Ich habe auch früher Mitarbeiter gecoacht, lange bevor ich das Mentoring genannt hätte. Und aus Gesprächen mit langjährigen Kunden sind oft sehr persönliche Gespräche geworden. Jahre später sind Menschen zu mir gekommen und haben gesagt: Du hast mir damals diesen Impuls gegeben und deswegen habe ich später das und das in meinem Leben verändert.

Manchmal konnte ich mich an das Gespräch kaum mehr erinnern.

Sie schon.


Wenn ich mit 80 auf Aroma~Flow zurückblicke und eine größere Zahl von Frauen mir etwas Ähnliches sagen kann, dann werde ich wissen, dass sich diese Jahre gelohnt haben.


Warum tue ich mir das also an?


Vielleicht ist die Frage inzwischen falsch gestellt.

Ich arbeite heute viel. Das ist kein Hobby, mit dem ich mir ein bisschen die Zeit vertreibe. Wenn ich an einem Projekt dran bin, bekommt es auch heute Priorität. Sonst geht nichts weiter.


Aber ich bin nicht mehr die Getriebene von damals.


Wenn ich wirklich gefrustet bin, kann ich sagen: Jetzt mache ich drei Tage nichts. Dann gehe ich in den Wald. Ich treffe mich mit einer Freundin auf einen Kaffee. Ich sitze in meinem Garten. Und irgendwann komme ich zurück und mache weiter.


Wenn meine Enkelkinder bei mir sind, dann gibt es kein Business.


Diese Freiheit möchte ich nie wieder hergeben.


Manche Menschen, die ungefähr in meinem Alter oder sogar jünger sind, fragen mich: Warum tust du das? Du hast es doch nicht notwendig. Warum genießt du nicht einfach dein Leben?

Aber genau das tue ich.


Für mich bedeutet mein Leben zu genießen nicht, nichts mehr vorzuhaben.

Ich möchte Zeit für meine Familie haben, für meine Freunde, für meinen Garten, für Reisen, Bücher und all die Dinge, die mir Freude machen. Ich möchte heute sehr bewusst entscheiden können, wofür ich meine Zeit verwende.


Und offenbar gehört es für mich zu einem guten Leben, noch neugierig auf etwas zu sein.

Eine Idee zu haben und herausfinden zu wollen, was daraus werden kann.

Etwas zu lernen, das ich noch nicht kann.

Mich über irgendeine Technik fürchterlich zu ärgern und sie zwei Tage später doch wieder aufzumachen.

Menschen zu begegnen.

Etwas von dem weiterzugeben, was ich in diesem langen Unternehmerinnenleben gelernt habe.

Und ja, damit auch noch gutes Geld zu verdienen.


Ich brauche heute kein riesiges Haus mehr, keinen BMW mit so vielen PS, dass man mich bei der Übergabe davor warnen muss, keine Tausende Quadratmeter Firmenfläche und kein Riesenteam.

Ich hatte Größe.

Ich kenne ihren Reiz und ich kenne ihren Preis.


Was ich heute möchte, ist etwas anderes.

Ich möchte gestalten können, ohne wieder zur Getriebenen zu werden. Ich möchte erfolgreich sein, ohne meine Freiheit gegen diesen Erfolg einzutauschen. Und ich möchte irgendwann zurückblicken und wissen, dass etwas von dem, was ich in diesen Jahrzehnten gelernt habe, bei anderen Frauen weiterlebt.


Vielleicht ist das die Antwort.


Warum tue ich mir das heute noch an?

Weil ich offenbar noch nicht fertig bin.


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